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Informationssouveränität

In seiner Session auf der jüngst zu Ende gegangenen re:publica hat der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen die Themen der Informationsüberlastung und Informationssouveränität aufgerufen und insbesondere neue Strategien im Umgang mit den globalen Informationsvermittlern Google, Facebook & Co. gefordert. Wer den Algorithmus programmiert, der bestimmt, welchen Realitätsausschnitt wir zu sehen bekommen, sagte Pörksen, und forderte einen Filterwechsel. In seinem Beitrag Was kommt nach Facebook? – Von der Zukunft sozialer Medien hat sich Klaus Sielker in der Bücherdämmerung ausführlich mit genau dieser Frage beschäftigt. Hier ist ein Auszug aus seinem Beitrag zu diesem Thema:

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Daten produziert und in sozialen Netzwerken geteilt werden, kommen wir zu einer weiteren Entwicklung bzw. Herausforderung: Es gibt immer mehr Informationen, die wir konsumieren »müssen«. Wenn wir uns also fragen, wie die Zukunft sozialer Medien aussieht, müssen wir uns auch fragen, wie wir dieses Problems Herr werden können. Die Lösung sind »Noise-Filter«. Das wohl bekannteste Beispiel für solch einen Filter ist der EdgeRank, ein Algorithmus, der innerhalb von Facebook bestimmt, welche Inhalte für den jeweiligen Nutzer relevant sein könnten. Der EdgeRank steuert also, was wir im Newsfeed zu sehen bekommen und was nicht. So werden nicht nur gleiche Meldungen aggregiert dargestellt, der Algorithmus verändert sich auch mit unserem persönlichen Nutzerverhalten. Das ist Hilfe und (auch kommerziell genutzte) Bevormundung in einem, weil er unsere sozialen Verbindungen (wie oft habe ich in letzter Zeit mit meinem Kumpel Wolfgang interagiert?) und unsere Interessen kennt (wie viele Seiten verfolge ich zum Thema Rockmusik und wie oft interagiere ich mit diesen Inhalten?). Diese Filter werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Denn neben den bereits genannten Faktoren kommen natürlich noch weitere hinzu, bedenken wir beispielsweise mobile Applikationen wie Nike+ und Spotify, die über Anbindungen zu Facebook, Twitter und Co. verfügen und für noch mehr Noise in unserem Alltag sorgen. Oder durch die gefühlt explodierende Masse an E-Mails und Newslettern, die in unserem Postfach landen. Und da unsere Aufnahmefähigkeit leider von Natur aus begrenzt ist, muss durch Filter und Algorithmen eine technische Lösung her. Nutzer, die sich heute über den Newsfeed-Filter von Facebook aufregen, weil er sie »bevormundet« und dafür gesorgt hat, dass eine bestimmte Info rausgefiltert wurde, werden in ein paar Jahren vielleicht ganz anders darüber denken. Andererseits haben Kritiker der- artiger Algorithmen natürlich recht, wenn sie sagen, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann, welche Inhalte man konsumieren möchte. Ein klassisches Beispiel für diese Problematik ist die Google-Suche. Während der Anfangsjahre der Suchmaschine haben alle Nutzer dieselben Ergebnisse einer Suchanfrage angezeigt bekommen. Heute bekommt jeder Nutzer hingegen andere, auf ihn vermeintlich zugeschnittene Ergebnisse angezeigt. Die »Objektivität« bleibt bei der Suche auf der Strecke. Wenn ich nach politischen Ereignissen suche, sind die Ergebnisse bereits an meine eigenen Ansichten an- gepasst. Das mag dem einen gefallen, andere wünschen sich aber natürlich zusätzlich den Blick über den eigenen Tellerrand. Daher werden Nutzer künftig immer mehr Optionen zur individuellen Gestaltung ihrer Newsfeeds und Profile bekommen (müssen). Algorithmen, die im Hintergrund agieren und von Informationen der Nutzer lernen, wird es weiterhin geben. Trotz steigender künstlicher Intelligenz müssen Nutzer jedoch zunehmend darauf achten, dass Informationen richtig geornet und richtig gefiltert werden. Nicht nur bei Facebook oder Google. Daraus folgt: Die Zukunft sozialer Medien ist gefiltert – sonst gehen wir in der Informationsflut unter. Oder anders ausgedrückt: Nutzer und soziale Netzwerke müssen vermehrt darauf achten, dass relevante Inhalte an ihr Ziel kommen. Und um nicht in der Versenkung zu verschwinden, muss man die Qualität bzw. Relevanz der eigenen Inhalte wahren.

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