Neue Rezensionen und e:publish 2014

Impression von der e:publish 2013

Impression von der e:publish 2013

Die Bücherdämmeung hat in den letzten Monaten eine Reihe ausführlicher, meist kritisch-wohlmeinender Rezensionen bekommen, die jetzt hier unter dem Reiter Presse nachzulesen sind. Vor allem aber wird die Diskusion über die Zukunft der Buchkultur in Berlin auf der e:publish 2014 am 6. und 7. November weitergeführt. Hier ist der Link zum Gesamtprogramm des Kongresses: http://8ly.de/267733

Nahezu alle Themen, die in der Bücherdämmerung angesprochen worden sind, werden auf dem Kongreß thematisiert. Besonders hinweisen möchte ich auf den Workshop Moderne Fernsehserien als Impulsgeber für die Buchbranche? Gemeinsam mit Stephan Selle werde ich versuchen der Frage nachzugehen, ob wir etwas von den global erfolgreichen Fernsehserien für die Buchbranche lernen können. Hier der Link zur Ankündigung des Workshops: http://8ly.de/826563

Impression von der e:publish 2013

Impression von der e:publish 2013

Informationssouveränität

In seiner Session auf der jüngst zu Ende gegangenen re:publica hat der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen die Themen der Informationsüberlastung und Informationssouveränität aufgerufen und insbesondere neue Strategien im Umgang mit den globalen Informationsvermittlern Google, Facebook & Co. gefordert. Wer den Algorithmus programmiert, der bestimmt, welchen Realitätsausschnitt wir zu sehen bekommen, sagte Pörksen, und forderte einen Filterwechsel. In seinem Beitrag Was kommt nach Facebook? – Von der Zukunft sozialer Medien hat sich Klaus Sielker in der Bücherdämmerung ausführlich mit genau dieser Frage beschäftigt. Hier ist ein Auszug aus seinem Beitrag zu diesem Thema:

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Daten produziert und in sozialen Netzwerken geteilt werden, kommen wir zu einer weiteren Entwicklung bzw. Herausforderung: Es gibt immer mehr Informationen, die wir konsumieren »müssen«. Wenn wir uns also fragen, wie die Zukunft sozialer Medien aussieht, müssen wir uns auch fragen, wie wir dieses Problems Herr werden können. Die Lösung sind »Noise-Filter«. Das wohl bekannteste Beispiel für solch einen Filter ist der EdgeRank, ein Algorithmus, der innerhalb von Facebook bestimmt, welche Inhalte für den jeweiligen Nutzer relevant sein könnten. Der EdgeRank steuert also, was wir im Newsfeed zu sehen bekommen und was nicht. So werden nicht nur gleiche Meldungen aggregiert dargestellt, der Algorithmus verändert sich auch mit unserem persönlichen Nutzerverhalten. Das ist Hilfe und (auch kommerziell genutzte) Bevormundung in einem, weil er unsere sozialen Verbindungen (wie oft habe ich in letzter Zeit mit meinem Kumpel Wolfgang interagiert?) und unsere Interessen kennt (wie viele Seiten verfolge ich zum Thema Rockmusik und wie oft interagiere ich mit diesen Inhalten?). Diese Filter werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Denn neben den bereits genannten Faktoren kommen natürlich noch weitere hinzu, bedenken wir beispielsweise mobile Applikationen wie Nike+ und Spotify, die über Anbindungen zu Facebook, Twitter und Co. verfügen und für noch mehr Noise in unserem Alltag sorgen. Oder durch die gefühlt explodierende Masse an E-Mails und Newslettern, die in unserem Postfach landen. Und da unsere Aufnahmefähigkeit leider von Natur aus begrenzt ist, muss durch Filter und Algorithmen eine technische Lösung her. Nutzer, die sich heute über den Newsfeed-Filter von Facebook aufregen, weil er sie »bevormundet« und dafür gesorgt hat, dass eine bestimmte Info rausgefiltert wurde, werden in ein paar Jahren vielleicht ganz anders darüber denken. Andererseits haben Kritiker der- artiger Algorithmen natürlich recht, wenn sie sagen, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann, welche Inhalte man konsumieren möchte. Ein klassisches Beispiel für diese Problematik ist die Google-Suche. Während der Anfangsjahre der Suchmaschine haben alle Nutzer dieselben Ergebnisse einer Suchanfrage angezeigt bekommen. Heute bekommt jeder Nutzer hingegen andere, auf ihn vermeintlich zugeschnittene Ergebnisse angezeigt. Die »Objektivität« bleibt bei der Suche auf der Strecke. Wenn ich nach politischen Ereignissen suche, sind die Ergebnisse bereits an meine eigenen Ansichten an- gepasst. Das mag dem einen gefallen, andere wünschen sich aber natürlich zusätzlich den Blick über den eigenen Tellerrand. Daher werden Nutzer künftig immer mehr Optionen zur individuellen Gestaltung ihrer Newsfeeds und Profile bekommen (müssen). Algorithmen, die im Hintergrund agieren und von Informationen der Nutzer lernen, wird es weiterhin geben. Trotz steigender künstlicher Intelligenz müssen Nutzer jedoch zunehmend darauf achten, dass Informationen richtig geornet und richtig gefiltert werden. Nicht nur bei Facebook oder Google. Daraus folgt: Die Zukunft sozialer Medien ist gefiltert – sonst gehen wir in der Informationsflut unter. Oder anders ausgedrückt: Nutzer und soziale Netzwerke müssen vermehrt darauf achten, dass relevante Inhalte an ihr Ziel kommen. Und um nicht in der Versenkung zu verschwinden, muss man die Qualität bzw. Relevanz der eigenen Inhalte wahren.

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Videosequenz von der Buchpräsentation

Am vergangenen Donnerstag wurde die Bücherdämmerung auf der Leipziger Buchmesse im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Öffentlichkeit und den Medien präsentiert. Dazu erreichte uns ein Amateurvideo, das wir Euch nicht vorenthalten möchten. Der gut dreiminütige Ausschnitt aus dem Podiumsgespräch zeigt eine rege Diskussion, die sich an einem Wortbeitrag von Stephan Selle entzündet hat. Dazu sei auf den vorigen Blogpost verwiesen, der einen Auszug aus dem Artikel von Stephan Selle vorabgedruckt hat, insbesondere auf das Thema semantisch lesen. Das Video schaut (und hört) man sich besser mit Kopfhörern an, da die Nebengeräusche der Messe sehr stark waren.

Katja Splichal schien jedenfalls ganz begeistert von der Bücherdämmerung zu sein.

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Stephan Selle | Semantisch lesen, Fernsehen lesen

Hier noch eine Leseprobe aus der Bücherdämmerung. Der folgende Text ist ein gekürzter Auszug aus dem Artikel Anders lesen – Von einer neuen Kulturtechnik von Stephan Selle:

Semantisch lesen

Wenn Programme beginnen, eine Ahnung davon zu entwickeln, was in einem Text steht, sind viele weitere Operationen möglich, die unter das Schlagwort Digitale Semantik (also etwa: Computer-Bedeutungslehre) fallen. Aus dem Kant-Satz: »Mathematik und Physik sind die beiden theoretischen Erkenntnisse der Vernunft, welche ihre Objekte a priori bestimmen sollen, die erstere ganz rein, die zweite wenigstens zum Teil rein, dann aber auch nach Maßgabe anderer Erkenntnisquellen als der der Vernunft« könnte folgender werden: »Mathematik und Physik haben wenig mit der gegenständlichen Wirklichkeit zu tun, sie kümmern sich – die Mathematik vollständig, die Physik jedenfalls zu großen Teilen – um gedachte Dinge, denen keine praktische Erfahrung zugrunde liegt.« So was kann derzeit nur ich, in Bälde kann’s auch ein Kindle. Der nächste Schritt, und jetzt bewegen wir uns prognostisch in Grauzonen (aber die beginnen im Computergeschäft ja bereits in zwei Jahren), wären dann so in etwa fünf Jahren Lesegeräte, die mitdenken. Und mitreden, wenn man sie fragt.

Wir lesen einen Absatz in einem schwierigen Text, einem Philosophiebuch oder in einem großen Roman. Und nach diesem Absatz sagen wir: »Versteh’ ich nicht!« Der Reader versteht uns sehr wohl und schaut im Netz nach: Wer hat diesen Absatz mal erklärt, hat der Autor etwas dazu gesagt, gibt es in irgendeiner Bibliothek Bücher, die das Problem dieses Absatzes behandeln oder erhellen können? Der Reader holt die Erklärung, übersetzt sie und zeigt sie an. Und sucht weiter, während wir versuchen, das Gelesene jetzt zu verstehen. Der Begriff dazu heißt »Semantisches Web«: Sätze werden durch sogenannte Metadaten, durch formalisierte Beschreibungen, für eine Maschine verständlich gemacht. »Der Mond [Himmelskörper, Trabant] ist aufgegangen [Bewegungsform, am Horizont erscheinen], die güldnen [Farbe, Gold] Sternlein [Himmelskörper, Diminutiv] prangen [Verb, sichtbar] …« Für die Maschine übersetzt: »Ein Himmelskörper erscheint am Horizont, die goldenen kleineren Himmelsköper werden sichtbar.« Das lässt sich doch schon fast nachspielen!

Kontext ist das Zauberwort: Damit wir Gelesenes verstehen, müssen wir in den meisten Fällen Kontexte selbst beim Lesen herstellen. Bei zeitgenössischen Texten ist das eher einfach. Die »Spiegel-Online«-Schlagzeile. »Koalitionsverhandlungen: Kampf um Energie-Milliarden« ist für uns sofort kontextualisierbar: Verhandelt wird zwischen SPD und CDU, und es geht um die Subventionen von Windenergie und Fotovoltaik. Einfach! »Der Aufruhr in Polen: Gefahr für Osteuropa!« war der »Spiegel«-Titel aus Mitte 1980: da wird’s schon schwierig, nur die Senioren unter uns murmeln jetzt »Solidarność, Lech Wałęsa, Danzig, Werft«. Digitale Lesegeräte können hervorragende Agenten sein, wenn es darum geht, verloren gegangene Kontexte wieder zu beschaffen […]

Fernsehen lesen

[…] Netflix, Marktführer in der Sparte Internet-TV, hat als digitales Filmportal begonnen, eigene Fernsehserien zu produzieren. Das Vorzeigestück ist House of Cards, die Serie, die im Herbst 2013 auch in Deutschland bei einem normalen Sender anlief. House of Cards ahmt in allem, in der Erzählweise, in der Ästhetik, in der Dauer, in Staffeln und Folgen, normale Fernsehserien nach – so, wie anfangs der Film das Theater und die Fotografie die Malerei nachgeahmt hat. Mit einer sehr interessanten Abweichung: Netflix-Abonnenten in den USA können sich die Serie staffelweise ansehen. Für einen digitalen Anbieter ist es sinnlos, jede Woche eine Folge einzustellen, er verkauft keine Werbezeiten zu bestimmten Tageszeiten an bestimmten Wochentagen. Außerdem – nicht nur das Lesen ändert sich – sind die meisten Serien-Junkies Binge Watcher – Koma-Glotzer: Sie besorgen sich von angesagten Serien ganze Staffeln und schauen 8 Folgen an einem Abend.

Die nächsten Folgen der Internet-TV-Shows werden in kürzester Zeit die Produktion verändern. Im Unterschied zu den analogen Konkurrenten, den traditionellen Fernsehsendern, merkt Netflix, wer welche Szene möglicherweise noch einmal anschaut oder einfach überspringt. Oder abschaltet. Mit digitalen Serien rücken völlig neue Werbeformate in den Fokus: Wer solche Serien auf dem iPad ansieht, könnte mit dem Finger auf die Heldin tippen und damit signalisieren: »Ihr Kleid hätte ich gern.« Und während die Serie weiterläuft, startet nebenan das Einkaufsportal, zeigt die passende Größe an und wartet auf die Bestätigung durch den Bestell-Button. Der Mann tippt wenig später auf den elektrischen Rasierer, mit dem Brad Pitt durch sein Gesichtshaar mäht …

Lassen Sie uns einen Moment bei den Serien verweilen, denn an ihnen kann man sehen, wir schnell sich Formen an mediale Gegebenheiten anpassen: In den 1970er- und 1980er-Jahren waren Serien so etwas wie Hausfrauen-Programme: Sie liefen tagsüber und sollten die Aufmerksamkeit der Nebenbei-Seher auf die Werbung lenken. Entsprechend waren die Geschichten: Dallas und der Denver Clan bewegen sich erzähltechnisch auf dem Niveau eines mittelalterlichen Romans. Erzählt wurden im Wesentlichen aufeinanderfolgende Episoden mit dem Gestus »und dann, und dann, und dann«. Droht die Handlung stecken zu bleiben, kommen unausweichlich wie in der gothic novel, dem Schauerroman des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die »entfernten« Verwandten: die unbekannte Halbschwester, die tot geglaubte Mutter, wahnsinnige Cousins oder weggeschwommene Babys. Dieser Trick hat seit dem ersten Meister der geschriebenen Fernsehserie, Charles Dickens, nichts an Reiz verloren. (Dickens veröffentlichte die meisten seiner Romane als wöchentliche Fortsetzungen und wurde damit sehr, sehr reich.)

Heute haben Fernsehserien technisch das Niveau bester Romane erreicht. Personen entwickelt sich weiter, Nebenhandlungen werden ausgeführt, Orte und Zeitläufte werden intensiv beleuchtet, die Stimmung einer echten Gegenwart wird erfasst. Publikum sind die nicht mehr ins Kino gehenden Erwachsenen: Wer keine Lust mehr hat auf halbwüchsige Zauberer und Ringherren, wer die menschlichen Mutanten von Stallone über van Damme bis Schwarzenegger ins Altersheim und die Marvel-Helden unter Thors Hammer wünscht, der sitzt abends vor Festplattenaufzeichnungen seiner neuen Helden: dem Meth kochenden Chemielehrer Walter White aus Albuquerque, dem Drogenpolizisten Jimmy McNulty aus Baltimore, der Marihuana dealenden Hausfrau Nancy Botwin aus Agrestic oder dem möglicherweise von al-Qaida umgedrehten Kriegshelden Nicholas Brody aus Washington.

Innerhalb von dreißig Jahren hat es das Schmuddelkind Fernsehserie – wie im Übrigen auch das Videospiel – vom Heftchen-Roman zum ernst zu nehmenden Kulturprodukt gebracht. Wohl auch, weil Dichter und Drehbuchschreiber nach Möglichkeiten gesucht haben, anspruchsvolle Romane in Filmen zu erzählen […]

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Erscheinungstermin: 12. März 2014

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Detlef Bluhm | Vorwort | Von Stanislaw Lem und der Zukunft der Buchkultur

Dämmerung [crepusculum] heißt das schon einige Zeit vor dem Aufgange und noch einige Zeit nach dem Untergange der Sonne stattfindende, mehr oder weniger erhellende Licht, jenes die Morgendämmerung, dieses die Abenddämmerung. | Herders Conversations-Lexikon | 1854–1857

Die Buchbranche befindet sich gegenwärtig zwar nicht im Dämmerzustand, aber mitten in einer Zeitenwende, die an technologischem Wandel kaum zu überbieten ist und deren Zukunft allerhand Überraschendes mit sich bringen wird. Wir stehen ja erst am Anfang des vierten Umbruchs der Mediengeschichte, der digitalen Revolution, und können schon aufgrund der enormen Geschwindigkeit technischer Entwicklungen nur Vermutungen über die nähere Zukunft anstellen. Ob also für das Buch, seine Kultur und die Märkte, auf denen es vertrieben wird, ein Morgen oder ein Abend dämmert, wird hier mit Gewissheit nicht für alle Aspekte der Buchkultur und ihres Marktes festgestellt werden können. Nur eines ist sicher. Das Buch wird es als Inhalt oder Content oder Prinzip Buch immer geben, es hat ja bereits vor der Erfindung der Schrift existiert: als mündliche Erzählung, die von Generation zu Generation überliefert wurde. Nur seine Form – heute sagen wir dazu sein Ausgabeformat – hat sich im Lauf der Jahrtausende geändert. Die handgeschriebene Rolle aus Papyrus hat die mündliche Erzähltradition abgelöst, der fest gebundene Kodex aus Pergament folgte der Papyrusrolle und wurde ab 1450 von Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern verdrängt. Wie sich aber der Buchmarkt in nächster Zeit entwickelt und wie er in fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren aussehen wird, darüber können nur Vermutungen angestellt werden.

Nicht mehr – aber auch nicht weniger – haben sich die Autorinnen und Autoren dieses Buches vorgenommen: sich in Originalbeiträgen für diesen Band vorzustellen, wie das Buch, seine Kultur und sein Markt zukünftig aussehen könnten. Als Mutmacher bei diesem riskanten Vorhaben hat dieser kurze Text von Stanislaw Lem Pate gestanden: »Den ganzen Nachmittag verbrachte ich in der Buchhandlung […] Sie erinnerte an ein elektronisches Labor. Bücher waren kleine Kristalle mit gespeichertem Inhalt. Lesen konnte man sie mithilfe eines Optons. Der sah einem Buch sogar ähnlich, allerdings mit nur einer einzigen Seite zwischen den Einbanddeckeln. Berührte man dieses eine Blatt, so erschienen hintereinander die Textseiten in ihrer Reihenfolge […] In der Buchhandlung befanden sich eigentlich nur einzelne Buchexemplare, und wenn jemand sie brauchte, wurde der Inhalt des angeforderten Werks in einem kleinen Kristall festgehalten […] Also wurde das Buch sozusagen jedesmal neu gedruckt, wenn jemand es brauchte. Probleme von Auflagen, ihrer Höhe oder des Vergriffenseins hatten aufgehört zu existieren […] Ich konnte alle meine Einkäufe in einer Tasche unterbringen, obwohl es an die dreihundert Titel waren.« Diese Zeilen finden sich in Stanislaw Lems utopischem Werk Transfer, das 1961 erschienen ist. Der Roman beschreibt das uns heute längst vertraute E-Book und seine Lesegeräte mit verblüffender Genauigkeit – zu einer Zeit, als kaum jemand eine derartige Technologie im Auge hatte. Angespornt von diesem Weitblick haben wir versucht, nach vorne zu schauen und für diesen Band zu überlegen, was kommen könnte: in absehbarer Zeit und manchmal sogar darüber hinaus. Dabei hat sich jede Autorin, jeder Autor von einem ganz eigenen Standpunkt aus auf den Weg gemacht. Es sollte hier nicht darum gehen, eine einheitliche Sicht auf mögliche Entwicklungen zu präsentieren. Vielmehr bestand von Anfang an die erklärte Absicht, unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben.

Gutenbergs Erfindung hat unsere Welt grundlegend verändert. Der Buchdruck hat die Deutungshoheit des Klerus und des Adels infrage gestellt, breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu Informationen und Bildung verschafft, die Reformation ermöglicht, die Aufklärung befördert und vieles andere mehr bewirkt – bis in die heutige Zeit. Er hat auch den Buchmarkt seiner Zeit ordentlich durcheinandergewirbelt. Herkömmliche Berufe starben aus, neue entstanden. Traditionelle Buchhandlungen verschwanden, junge Unternehmen haben den Markt neu erfunden. Dieser Prozess hat viele Jahrzehnte angedauert. Die Digitalisierung wird unsere Welt, den Buchmarkt und die Buchkultur womöglich noch grundlegender verändern, als wir uns heute vorstellen können. Für uns Autorinnen und Autoren sieht es deshalb so aus, als befinde sich unsere Branche gerade am Vorabend eines neuen Morgens.

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